Wo waren wir denn noch nie mit dem Motorrad? Diese Frage stellten wir uns zu Beginn des Jahres. Kroatien, Albanien, Italien, Frankreich – überall haben wir uns schon hin verirrt. Aber Sardinien – dort waren wir noch nie!

Zwar kamen Zweifel auf, ob sich die lange An- und Abreise wohl lohnen würde. Aber da die Fähre von Genua nach Olbia eine Nachtfahrt anbietet, hält sich der Zeitverlust in Grenzen und der Aufwand für An- und Abreise reduziert sich auf weniger als 1 Tag. Also war bald mal klar: 2025 geht’s mit dem Motorrad nach Sardinien!

Tag 1: bis Mantua

Da wir eine allzu lange und mühsame Anreise vermeiden wollten – es war ja ohnehin schon so grauenhaft heiß, wir standen gerade am Beginn einer außergewöhnlichen Hitzewelle – einigten wir uns darauf, die erste Etappe schnell hinter uns zu bringen und in Mantova zu übernachten. Ein weise Entscheidung, hatte es doch um 16:00 Uhr in Bozen immer noch stattliche 35 Grad und der Asphalt glühte.

Und Mantova, der ehemalige Herrschaftssitz der mächtigen Adelsfamilie Gonzaga, ist auf alle Fälle eine sehenswerte Stadt mit einigen kulturellen Highlights, auch wenn uns ein Museumsbesuch diesmal nicht so besonders lockte. Schließlich wussten wir: Auch wenn Sardinien mit einer wunderbaren Landschaft aufwarten kann – so reich an Kulturdenkmälern wie Oberitalien ist es freilich nicht. Und so genossen wir ein leckeres Abendessen mit einem gechillten Tüteneis zum Nachtisch auf der Piazza delle Erbe.

Tag 2: Mantova – Genova

Da unsere Fähre in Genova erst um 21:00 Uhr ablegen würde und wir uns ja bereits in Mantova befanden, stand einer gemütlichen Runde durch den nördlichen Apennin nichts im Wege. Genug Zeit hatten wir und die Temperaturen luden ja ohnehin dazu ein, sich baldmöglichst auf’s Motorrad zu setzen und den kühlenden Fahrtwind zu genießen.

Auf Nebenstraßen und Radwegen rollten wir eine Weile am Uferdamm  des Po entlang – eine wirklich entspannende Gegend, wo man lieber luftig gekleidet und gechillt am Fahrrad als dick verpackt im Leder am Motorrad sitzen will.

Schließlich querten wir den Apennin wir auf der SS654, die sich – zwar typisch italienisch mit Schlaglöchern versehen – durch das Gebirge schlängelt. Interessanterweise eine auch für uns neue Route, die wir vorher noch nie befahren hatten. In unzähligen Kurven führt die Straße auf den Passo del Tomarlo und in genauso vielen Kurven hinunter, wird beim Örtchen Rezzoaglio zur SS586 und endet an der Ligurischen Küste bei Chiavari.

Nur noch ein kurzer Sprung in der Nachmittagshitze und schon standen wir im Fährhafen von Genova. Hier freilich mussten wir noch über 2 Stunden in der Abendsonne darauf warten, dass die Fähre endlich anlegt und wir an Bord durften. Aber trotzdem, obwohl wir schon unzählige Male mit Fährschiffen unterwegs waren – es ist doch jedes Mal ein tolles Erlebnis, wenn man dann hoch oben an Deck steht und auf die Hafenanlage und die anderen Schiffe hinunterblicken kann.

Tag 3: Olbia – Castelsardo

Die Fähre kam überraschenderweise erst gegen 9:00 in Olbia an. Und natürlich, kaum waren wir von Bord, war es schon wieder nahezu unerträglich heiß im Leder. Also machten wir uns schnurstracks auf den Weg an die Nordspitze der Insel.

Recht zügig ging es zum Capo d’Orso, einer viel frequentierten Felsformation, die entfernt an einen Bären(kopf) erinnert. In Erwartung, dort oben gemütlich unsere Jause verzehren zu können, parkten wir die Motorrädr (2,50 EUR), bezahlten unseren Eintritt (3,00 EUR) und schwitzten uns die Rampe hoch bis zum Bärenkopf. Aber an eine Jause war dort nicht zu denken, zu heiß, kein Schatten aber dafür viele andere Touristen.

Erst am Capo Testa wurde es etwas gemütlicher. Der Wind in Küstennähe machte die Sonne erträglicher. Und vor allem: Es gab eine schattige Bar, zwar stilistisch kein Highlight, aber zumindest hatten sie dort kühle Getränke.

Da unsere Kondition langsam nachließ und wir nicht Lust hatten, noch ewig herumzufahren, wählten wir als heutiges Ziel die kleine Stadt Castelsardo, die malerisch auf einem Felsen am Meer liegt. Bei näherer Betrachtung entpuppte sich zwar auch dieser Ort als typisch sardisch – wenig einladende Architektur, eher kahle Gestaltung – aber der kleine Strand direkt vor unserem Hotel war natürlich der Hit!

Tag 4: Castelsardo – Bosa

Zu unserer Freude begann dieser Tag mal nicht mit strahlendem Sonnenschein, sondern ein paar Wölklein spendeten etwas Schatten, so dass die Tagestemperaturen nicht über 29 Grad hinauskamen.

Gleich nach dem Frühstück starteten wir – ohne nochmal unseren Strand zu besuchen – weiter Richtung Westen. Über Porto Torres – eine wahrhaft uninteressante Industrie- und Hafenstadt – besuchten wir ein nördlich gelegenes Kap mit dem Ferienörtchen Stintino, mit Blick auf die vorgelagerte Insel Asinara. Leider verlief dieser Ausflug doch etwas enttäuschend. Flache Küste, lieblos in die Landschaft gesetzte Ferienhäuser und jede Menge Leute, deren einziges Bestreben es war, einen Parkplatz nahe am Strand zu ergattern.

Also verließen wir die Gegend und machten uns auf zu einem Besuch der verlassene Bergwerks-Stadt Argentiera etwas weiter im Süden. Und hier begann es sich endlich so zu entwickeln, wie wir uns Sardinien vorgestellt hatten: kleine Straßen, kaum Verkehr, perfekter Asphalt und rundherum Macchie und felsdurchsetzte Küstenlandschaft. Zwar versprach auch Argentiera mehr, als es dann halten konnte, aber es war schön, endlich mal so unbeschwert durch die Landschaft zu gondeln.

Nach einem kleinen Abstecher nach Capo Caccia fuhren wir auf der Küstenstraße SP105 von Alghero in Richtung Bosa. Die Aussicht dort und das Fahrgefühl sind fantastisch – sicherlich landschaftlich einer der schönsten Abschnitte auf unserer Tour. Hier durften wir noch einem anderen Motorradfahrer aus seiner misslichen Lage helfen: Er war wohl durch einen Fahrfehler von der Straße abgekommen und sein Motorrad steckte unter der Leitplanke fest.

In Bosa angekommen waren wir überrascht vom Flair des Ortes: wunderhübsch an der Flanke eines Hügels gelegen, bunte mehrstöckige Häuschen, eine gemütliche Fußgängerzone und jede Menge Bars und Restaurants – was man sich in Sardinien nicht überall erwarten kann. Absolut lohnend, wenn auch anstrengend, war der Besuch der am Gipfel des Hügels gelegenen Burgruine mit Aussicht über den Ort und das gesamte Flußtal.

Castelsardo – Bosa
200 km

Route und GPX-Download: https://out.ac/IbWhFp

Tag 5: Bosa – Santu Lussurgio – Costa Verde – San Gavino Monreale

Die heutige Etappe war schon recht besonders: Zuerst mal kamen wir von Bosa über eine wunderbar flotte und perfekt asphaltierte Straße recht rasch in kühlere Höhen. Und dann zog sich ein Provinzsträßchen Kurve um Kurve durch eine leicht bergige Landschaft, vorbei am Städtchen Cuglieri und am Monte Ala bis hinunter nach Santu Lussurgiu.

Santu Lussurgiu – warum genau hierher? Nun, erstens gibt es dort die besten sardischen Hirtenmesser zu kaufen, handgeschmiedet und mit wertvollen Horngriffen versehen. Und zweites bewegt sich die Straße wie auf einem Balkon hoch über der Ebene von Oristano.

Nach einem Espresso ging es dann hinunter in die Ebene, eine etwas eintönige Landschaft, die allerdings so etwas ist wie der grüne Garten Sardiniens, und die wir auf der SS131 rasch hinter uns brachten. Bei Uras verließen wir die schnurgerade Schnellstraße und auf kleinen Seitenstraßen – die allerdings fast alle immer gut in Schuss waren – schlängelten wir uns zur berühmten Costa Verde. Hier handelt es sich wohl um so etwas wie den Hotspot der Wohnmobilisten, parken und campieren direkt an der Küste ist hier überall problemlos möglich.

Die Weiterfahrt gestaltete sich dann etwas tricky, denn um am südlichen Ende der Costa Verde wieder ins Innenland und auf eine Hauptstraße zu gelangen, mussten wir erst mal einen Bach bzw. eine Furt durchqueren. Das Problem dabei: am Ende der Furt ist der Sand so weich, dass man gleich mal mit dem Vorderrad versinkt. Und auch die „Straße“ selbst war abenteuerlich genug. Für Enduros alles kein Problem, mit Straßenmotorrädern geht’s mit mehr Schweiß und Anstrengung freilich auch. :-)

Zurück auf der Hauptstraße waren wir dann doch schon etwas erschöpft, und bei einem Espresso beschlossen wir, möglichst in der Nähe eine Unterkunft zu buchen. Unsere Wahl fiel auf die kleine Stadt San Gavino Monreale, die sich im Bereich der Ebene zwischen Oristano und Cagliari befindet. Eine Entscheidung, die, genauso wie viele andere Orte auf Sardinien, nicht schlechter oder besser war.

Bosa – Santu Lussurgiu — Costa Verde – Gavino Monreale
196 km

Route und GPX-Download: https://out.ac/IbXUwK

Tag 6: San Gavino Monreale – Nuraghe Su Nuraxi – Oliena

Zuerst mal mussten wir an diesem Tag die Ebene hinter uns bringen, um wieder in höhere Gefilde zu gelangen. Allerdings hatten wir ja auch geplant, den Nuraghenkomplex von „Su Nuraxi“ zu besuchen. Ein schweißtreibendes, aber durchaus lehrreiches Unterfangen, die Führung war jedenfalls interessant und ein wenig abenteuerlich, auf jeden Fall auch spaßig „and nothing“.

Anschließend gewannen wir rasch an Höhe, was auch dringend notwendig war, die Temperaturen zur Mittagszeit waren ja schon wieder kaum auszuhalten. Wir streiften ein paar kleine Örtchen, wollten aber nicht schon wieder anhalten, schließlich versprachen die Berge kühle Temperaturen und Kurvenfeeling. Bis auf circa 1.100 Meter schlängelte sich die Straße durch den Gennargentu, eine Kurve nach der anderen auf wunderbarem Asphalt.

Am Ende in unserem Zielörtchen Oliena wartete freilich noch eine Überraschung auf uns: Das gebuchte Hotel lag keineswegs im Ort, sondern etwa 250 m höher am Hang des Supramonte und die Auffahrt bestand aus einer alten, teilweise ausgewaschenen Betonrampe mit gefühlt 20 Serpentinen. Dafür erwartete uns ein wirklich gemütliches Hotel mit Terrassen, nicht überlaufen, mit viel Wald rundherum und einer grandiosen Aussicht.

Gavino Monreale – Oliena
196 km

Route und GPX-Download: https://out.ac/IbXVXE

Tag 7: Oliena – Gennargentu – Passo di Genna Silana – Oliena

Unbeschwert und ohne Gepäck starteten wir an diesem vorletzten Fahrtag auf Sardinien zu unserer Runde durch den Gennargentu. Zuerst ging es jedoch die Hoppelstraße hinunter nach Oliena und über Nuoro und die SS389 ein Stück nach Süden. Nach etwa 30 Kilometer verließen wir die doch recht langweilige Schnellstraße und fuhren Richtung Passo di Caravai und südlich davon wieder hinunter ins Tal – hier hieß es doch recht aufpassen, die Qualität der Straße schwankte zwischen mittelmäßig und fast nicht mehr vorhanden. Also mussten wir wohl oder übel doch noch einmal die Schnellstraße frequentieren.

Beim Lago Alto di Flumendosa zweigten wir dann nochmal von der SS389 ab und nahmen eine der unzähligen kleinen Sträßchen, die hier in unberührter Landschaft durch das Gebirge führen. Natürlich war auch hier etwas Vorsicht geboten, Schotter und Schafherden können ja hinter jeder Kurve lauern.

Nach einer kurzen Rast in Lanusei, schon fast bei Arbatax, machten wir uns auf den Rückweg über den Passo di Genna Silana. Leider verfehlten wir die ursprünglich geplante Auffahrt über die SS125, da wir etwas zu früh abgezweigt waren. Aber schließlich gibt es in Sardinien fast keine Straßen, die nicht lohnenswert wären, und so vergnügten wir uns eben auf einer Provinzstraße, die ebenfalls auf dem Passo endete.

Hinter dem Pass tut sich dann nochmals eine grandiose Felskulisse auf und obwohl wir doch schon wieder einige Stunden unterwegs und entsprechend müde waren, so kam hier nochmal so richtig coole Fahrfeeling auf. Und am Ende angelangt, zurück in Oliena, wartete dann nochmal die schon wohlbekannte Serpentinen-Auffahrt zu unserem „Luxus-Hotel“ am Berg.

Durch den Gennargentu
220 km

Route und GPX-Download: https://out.ac/IbXVxc

Tag 8: Oliena – Ozieri – Tempio Pausania – Olbia

Noch ein letztes Mal begaben wir uns auf die Reise durch die wunderbaren sardischen Berge. Zuerst natürlich wieder runter vom Hotel nach Oliena. Von hier aus gab’s schon mal das erste Highlight. Die Straße SS389 nach Buddu ist ein wahrer Hit. Gleichmäßige Kurven, guter Radius, übersichtlich, top Asphalt – einfach super. Und auch die Temperaturen hielten sich in diesem hügeligen Gelände in Grenzen.

Danach folgte ein etwas abenteuerlicher, aber dann auch wieder langweiliger Ritt über Osidda bis hinauf in das Dörfchen Bono. Am Hauptplatz, bei einem gemütlichen Espresso, durften wir dem Aufbau einer – für dieses Dörfchen ziemlich riesigen – Bühnenanlage beiwohnen.

Das zweite Highlight war die Etappe über den Passo Masiénnera auf 988 Meter. Gleich hinter Bono schraubt sich die Straße dem Hang entlang und gewinnt immer mehr an Höhe. Über dem langweiligen Haupttal genossen wir die Aussicht und die Kurven waren vom Feinsten. Oben angekommen gleicht dann die Straße einem Highway durch Texas – schnurgerade zieht sie sich über die Hochebene.

Nach einem gemütlich-beschleunigten Ritt bis Oschiri sollte dann unsere heutige Abschlussetappe folgen: Vorbei am Lago Coghinas ging es in einer endlosen Reihe von Kurven nach Tempio Pausania. Und ab hier waren wir – und wohl auch die Reize Sardiniens – für heute erschöpft und so konnten wir guten Gewissens auf der Schnellstraße unsere Fähre in Olbia ansteuern.

Fazit dieser Reise: Wir haben es bereut, dass wir nicht schon früher nach Sardinien gekommen waren. Aber dieser Fehler wird uns sicher nicht nochmals unterlaufen. Sardinien – wir kommen wieder!!!

Oliena – Tempio Pausania – Olbia
242 km

Route und GPX-Download: https://out.ac/IbXWpr