Auch dieser Transalp ging eine lange Zeit der Planung voraus. Im Winter kam die Idee auf, die Dolomiten diesmal diagonal zu durchqueren – von Nord-Ost nach Süd-West, denn Torbole sollte das Ziel der Reise sein, so viel stand fest.

Die Schwierigkeit bestand darin, dass es für diese Route nur wenige – aber dafür sehr hohe – Alpenübergänge gibt. Am Pfitscher Joch waren wir schon ein paar Jahre zuvor. Also kam letztlich nur der Krimmler Tauern in Frage, mit über 2.600 m kein Klacks. Und auch die Gesamtlänge der Tour sollte eine neue Herausforderung werden: über 400 km und circa 15.000 Höhenmeter, verteilt auf 7 Fahrtage waren geplant – das hatten wir in diesem Ausmaß noch nie. Entsprechend gespannt waren wir alle, wie es uns gehen würde.

Am Ende waren es dann aber doch deutlich weniger Höhen- und Kilometer, da wir während der Tour umgeplant hatten und sowohl ein wenig die Seilbahnen frequentierten als auch eine Etappe deutlich verkürzen mussten.

Transalp Tag 1: Von Westendorf über die Filzenscharte nach Wald im Pinzgau

Transalp DolomitenEine perfekte Etappe zum Einradeln. Nicht allzu weit. Nicht allzu hoch. Und – bis auf etwas Nieselregen am Pass – auch recht gutes Wetter. Ein kurzer Einkehrschwung in der Gamskogelhütte und dann ging es durch’s gefürchtete “Wolfsgebiet” noch ein Stück knackig bergauf. Am Filzensattel war’s zwar etwas feucht von oben und sumpfig von unten. Aber dafür ging es auf der Forststraße dann rasch hinunter ins sonnige Wald im Pinzgau.

36 km, ca. 950 Hm, GPX-Track hier: https://out.ac/IZAqMZ

Transalp Tag 2: Über den Krimmler Tauern nach Bruneck

Die große Challenge der heurigen Tour. Auf uns warteten viele Kilometer und noch mehr Höhenmeter. Transalp DolomitenUnd vor allem eine lange, lange Schiebe-/Tragepassage. Zuerst ging es noch recht sanft dahin. Zwar hatten wir schon zu Beginne eine kleine Bremshebel-Panne – dieselbe wie vor 4 Jahren – aber das war schnell repariert. Nach einer längeren Auffahrt erreichten wir das wunderschöne Krimmler Achental, wohl eines der schönsten Hochtäler in den Ostalpen. Prachtvolle Wiesen, Almen, Bäche, ein flacher Forstweg: für ein klassisches Alpen-Ambiente ist gesorgt. Entsprechend war dann auch der Verkehr: dutzende Touristen lassen sich von Kleinbussen auf das Krimmler Tauernhaus shutteln.

Transalp DolomitenDer Anstieg zur Windbach-Alm auf 1.900 m war dann schon etwas deftiger und vor allem ziemlich holprig. Was wir hier noch nicht wussten: Das Pflastern der Wege mit mehr oder weniger flachen Steinen ist in dieser Gegend scheinbar Usus. Und trieb uns bei der Abfahrt dann fast zur Verzweiflung. Ab der Windbach-Alm begann dann die gefürchtete Trage-Etappe. Zuerst noch flach ins Tal, dann aber immer steiler verlief der Steig. Wo wir zu Beginn noch schieben konnten, war dann bald Tragen die einzige Möglichkeit.

Fast 800 Höhenmeter mussten wir das Bike schleppen, bis wir endlich am höchsten Punkt – der Krimmler Tauern mit 2.633 m – standen. Und auch auf der anderen Seite entpuppte sich der Weg eher als Wandersteig denn als fahrbarer Trail. Steinplatten mit ziemlich tiefen “Fugen” dazwischen, höhere Stufen und vor allem etwa alle 50 Meter ein “Regenkanal” aus aufgestellten querliegenden flachen Steinplatten machte ein Fahren zu Beginn unmöglich. Erst ab einer Höhe von 2.300 m wurde der Trail fahrbarer. Noch eine kurze Stärkung auf der Tauernalm und dann ging es endlich vergleichsweise flott ins Tal.

Der einzige Wermutstropfen war am Ende die endlose Fahrt hinaus nach Bruneck – nach über 2.000 Hm waren die Beine dann wohl doch nicht mehr so frisch.

77 km, ca. 1.900 Hm, GPX-Track hier: https://out.ac/IOoIki

Transalp Tag 3: Über Kronplatz und Piz La Ila nach Arabba

Nach der kräftezehrenden Etappe am Vortag kam schon am Beginn keine reine Freude auf. In Bruneck regnete es zu Beginn noch recht heftig. Und nach der Auffahrt mit der Seilbahn auf den Kronplatz – eigentlich ein bekanntes Trail-Gelände – entpuppte sich auch die Abfahrt am Steig No. 8 als eher kompliziert: Immer wieder unterbrachen querliegende Bäume und dann auch noch eine fehlende Brücke den Flow und so brauchten wir wesentlich länger als gedacht, um diese eigentlich einfache Abfahrt zu bewältigen.

Die anschließende Asphalt-Etappe nach La Villa (bzw. auf deutsch Stern) zog sich auch noch dahin. Da die Zeit schon recht drängte und wir schließlich noch einiges vor uns hatten, mussten wir die Auffahrt zum Heiligkreuzkofel-Hospiz leider canceln.

Und so teilten wir uns schließlich in eine motiviertere Gruppe, die die letzte geplante Auffahrt auf den Piz La Ila noch tretend bezwang – und eine gemütlichere, die dafür nochmal die Gondelbahn zu Hilfe nahm. Am Piz La Ila angekommen war dann die Aussicht fantastisch: Heiligkreuzkofel, Sellastock, Pordoi und vor allem direkt voraus die Marmolada – prächtiger können sich die Dolomiten nicht präsentieren. Was hier jedoch besonders auffiel, war die Tatsache, dass die Dolomiten mittlerweile als über-erschlossen gelten müssen. Überall ein Restaurant, eine Seilbahnstation, ein Trail-Gebiet. Man kommt sich vor wie im Vergnügungspark.

Dafür kamen wir über nett angelegte Forstwege rasch voran ins Tal. Und auch die abschließende kurze Asphalt-Auffahrt auf den Passo Campolongo war dann rasch erledigt.

55 km, ca. 1.600 Hm, GPX-Track hier: https://out.ac/IOoZIZ

Transalp Tag 4: Bindelweg – Moena

Der große Klassiker der Dolomitendurchquerungen ist wohl die Befahrung des Bindelwegs. Und so war schon von Beginn an klar: Dort müssen wir hin! Da sich unsere Tourenplanung aber mittlerweile als etwas zu ambitioniert entpuppt hatte, mussten wir kurzfristig umplanen. Eine morgendlich Krisensitzung beim Frühstück konnte unsere Unstimmigkeiten beseitigen und wir legten eine neue Route fest, die doch deutlich von der geplanten abwich: Bindelweg – Canazei – Moena in direkter Form.

Mit der Seilbahn von Arabba kommt man gemütlich und rasch auf die Portavescovo auf ca. 2.550 m. Die Aussicht, die einen hier empfängt, ist grandios. Man fühlt sich wie auf einem Logenplatz, direkt gegenüber der mächtigen Marmolada mit ihren vergletscherten Nordabhängen. Steil, fast 1.000 m unterhalb der Lago di Fedaja. Der Blick dem Steig entlang zeigt gleich: Ein Sturz ist hier keine Option, zu steil sind die Hänge, zu schroff die Abbrüche. Von der Portavescovo starteten wir nach ausgiebigem Foto-Shooting am Bindelweg in Richtung Westen. Zuerst etwas bergab, dann meistens in flowigem rauf und runter aber immer auf etwa 2.400 m hinüber zur Bindelweg-Hütte. Dass an einem Montag Vormittag der Weg jedoch derartig von Wanderern überfüllt war, war zwar ein kleiner Schock, tat unserer Fahrfreude jedoch keinen Abbruch.

Hinunter nach Canazei nahmen wir dann einen der Trails, die extra für uns angelegt schienen: nicht zu steil, keine hohen Drops, flowig – einfach schön zu fahren. Von Canazei nach Moena wäre zwar ursprünglich der “Abstecher” über den Sella Brunech geplant gewesen. Aber unserer Müdigkeit geschuldet bevorzugten wir dann doch ganz einfach den Radweg am Fluss.

31 km, ca. 150 Hm, GPX-Track hier: https://out.ac/IOoZqK